Der Weg zum Assistenzhund

Hier habe ich euch ja schon einmal ein wenig erklärt, was so ein Assistenzhund allgemein ist. Auch habe ich dort schon angefangen, über Hodor’s Aufgaben zu sprechen, diese Thematik möchte ich nun intensiver aufgreifen und auch über die Ausbildung allgemein informieren.

Vorher sollte ich erwähnen, dass ich hier lediglich von meinen eigenen Erfahrungen sprechen kann, die sich nicht zwingend mit anderen decken müssen. Dadurch, dass es in Deutschland heutzutage leider immer noch keine rechtlichen Richtlinien für Ausbildung und Prüfung von Assistenzhunden gibt, kann da (leider) jeder machen, wat er will.

Als ich anfing, mich mit der Thematik des Assistenzhundes zu befassen, beziehungsweise auch konkret mit der Frage, ob es mir helfen würde, Hodor daraufhin auszubilden, habe ich angefangen, eine Liste zu erstellen. Ich habe mir wirklich lange Gedanken dazu gemacht, ob mein Hund mir überhaupt helfen könnte, was ich also konkret an Hilfe benötige. Dabei habe ich mir zu Anfang gar keine Gedanken über das wie gemacht oder darüber, ob das überhaupt funktionieren könnte, denn das wusste ich bis dato ja selbst auch nicht.


Heraus kam folgendes;

  • ich brauchte Hilfe beim Einkauf in Form von Begleitung, da ich mich allein nicht in die Läden getraut habe
  • ich wollte, dass Hodor lernt Panikattacken und dissoziative Bewegungsstörungen rechtzeitig zu erkennen und ggf. zu vermindern
  • Hodor sollte lernen, mich abzusichern, damit andere Menschen nicht in meinen ‚Grenzbereich‘ kommen
  • ich brauchte Sicherheit, draußen sowie zu Hause, wozu vor allem ein Ablenken oder Trösten in und nach Panikattacken zählt
  • ich wollte, dass Hodor lernt mir meine Notfallmedikamente zu bringen in Situationen, in denen ich sie brauche und mich aus Menschenmassen oder zu Sitzgelegenheiten führt

 

Da saß ich also und hatte wenigstens schon mal eine Liste mit Dingen, die Hodor lernen sollte. Nur hatte ich leider absolut keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte. Zwar hatte ich inzwischen Kontakt zu einigen anderen Assistenzhunde Teams und von denen auch schon gute Tipps erhalten, wie ich z.B. dem Hund beibringe, mich von Vorn abzublocken, aber irgendwie kam ich nicht merkbar voran. Es musste also eine Trainerin her, die schon Assistenzhunde trainiert hat, allein weil ich jemanden an der Seite haben wollte, der sich auch mit meinem Krankheitsbild etwas auskennt um mir punktuell bei den Assistenzaufgaben helfen können.

Ich hatte, bevor ich mich dann schlussendlich für meine Trainerin entschieden habe, mehrere Termine mit verschiedenen Trainerinnen, deren Schwerpunkt die Ausbildung von PTBS Assistenzhunden ist. Schlussendlich war es eine reine Bauchentscheidung, schließlich musste ich ja über einen langen Zeitraum mit dieser Person klar kommen. Wichtig war mir halt, neben der zwischenmenschlichen Eignung, dass mit viel positiver Verstärkung trainiert wird und ich die Art und Weise, zu trainieren, nachvollziehen konnte. Nachdem das also alles abgeklärt war, fing es aber noch nicht an 🙂

Zuerst einmal musste Hodor nämlich gesundheitlich und charakterlich durchgecheckt werden, ob er überhaupt für diese Aufgabe geeignet ist. Der gesundheitliche Check wurde natürlich von meiner Tierärztin durchgeführt, dort wurde er einmal auf den Kopf gestellt und neben dem HD/ED Röntgen wurden die Augen, Nase, Mund und Organe untersucht. Die charakterliche Eignung wurde von der Trainerin durchgeführt, die sich Hodor in verschiedenen Situationen angeschaut hat und geprüft hat, wie er z.B. verhält wenn er bedrängt wird – ob er also irgendwelche aggressiven Verhaltensweisen zeigt. Das hat er natürlich nicht, der Braunbär ❤ Auch musste natürlich das finanzielle abgeklärt werden, denn so eine Ausbildung kann schon mal mehrere Geldbeutel sprengen. Ich persönlich habe einen Teil (Anschaffung des Hundes, Vorausbildung) selbst finanziert und für den Rest Hilfe von Stiftungen und Spenden bekommen.

Nachdem das also alles geklärt war, setzten wir uns an meine Liste und sortierten die Punkte nach Dringlichkeit. Beziehungsweise hatte sie sogar noch eine Liste mit bei, mit verschiedenen Assistenzaufgaben, wo dann abgefragt wurde ob ich dies oder jenes als Hilfestellung noch ‚gebrauchen‘ könnte 😀 Und dann ging es schon beim nächsten Treffen los. Seitdem treffe ich meine Trainerin regelmäßig wöchentlich zum Training, bei dem wir die verschiedensten Situationen durchlaufen, wie z.B. den Einkauf im Laden, das ‚bummeln‘ durch große Einkaufszentren, das Verhalten zu Hause sowie auch den normalen Grundgehorsam, ohne den läuft nämlich ma so gar nüscht.

Die Assistenzaufgaben sind im Grunde genommen ja alles nur ein Konditionieren des Hundes auf diverse Situationen, z.B. haben wir Hodor mithilfe von Geruchsproben und Clickertraining – er bekommt eine ‚positive‘ Geruchsprobe vorgesetzt, sobald er Interesse daran zeigt clicker ich und Leckerchen ab in den Hund (im Laufe des Trainings wurde das natürlich schwieriger gestaltet mit mehreren negativ Proben, wo Hodor dann die positive Probe heraus finden muss) – auf meinen körpereigenen Geruch während einer Panikattacke trainiert. Auch hat er inzwischen gelernt, wie er sich in einem Geschäft verhalten soll – z.B. dass er nicht irgendwo dran pinkeln darf 😉 sondern aufmerksam neben mir her geht und mich durch die Gänge führt und vieles mehr. Hodor und ich sind ja noch immer mitten in der Ausbildung, auch wenn wir Anfang diesen Jahres irgendwann die Prüfung laufen werden.

Die Ausbildung an sich dauert, bis zu einer ‚Prüfungstauglichkeit‘ ca 12-24 Monate. Wie lange man genau für alles braucht, hängt auch immer davon ab, wie viel man trainiert beziehungsweise trainieren kann. Hodor und ich sind nun offiziell seit Anfang 2017 im Training, also haben wir bis zur Prüfung so um die 15 Monate vielleicht gebraucht. Ich trainiere allerdings auch recht viel mit ihm und gehe, neben dem wöchentlichen Assistenztraining auch noch einmal die Woche zu einer ’normalen‘ Hundeschule.

Einen Assistenzhund zu halten heißt also nicht nur, ganz viel wunderbar fellige Hilfe zu bekommen, sondern auch stetige Arbeit mit dem Hund. Wenn man aber bereit ist, sich dieser Aufgabe zu stellen bekommt man das wohl wunderbarste Hilfsmittel der Welt.

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2 Kommentare zu „Der Weg zum Assistenzhund

Gib deinen ab

  1. Sehr, sehr liebvoll geschrieben wow. Ich finde es erstmal richtig schön, dass du mit so viel Eigenmut und Offenheit schreibst. MEINEN TIEFSTEN RESPEKT!!

    Ich wünsche mir, dass es klappt wie es soll, das dein Hund nicht nur ein Assistent wird, sondern ein Teil deiner Seele, denn eine Seele ist untrennbar. Ich wünsche dir alles liebe.

    Viele liebe Grüße
    Dein Reyfakt vom Blog des Lebens
    https://reyfakt-blog.jimdo.com/

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